Kommerz.

Jeder weiß es, die Zeiten ändern sich, das ist ja auch nicht so dramatisch. Dramatisch ist es, was wir daraus machen. In den 1970er Jahren wurden die Mitarbeiter der Karstadt AG dazu aufgefordert, sich ein Giro-Konto einzurichten. Vorher, heute ist es unvorstellbar, wurde das Gehalt in bar (Tüte) oder per Scheck ausgezahlt. Man musste in die oberen Etagen, dort wo die „heiligen Räume“ sich befanden, zur Hauptkasse und sich sein Geld abholen. Das war in sofern aufregend, weil es ja nicht immer gleich viel gab. Man konnte zu der Zeit noch Prämien einreichen, auf vorbestimmte Artikel. Uns wurde die Commerzbank ans Herz gelegt. Viele, sehr viele Mitarbeiter hatten in der Tat noch kein Girokonto. Auch bei der Karstadt Bank konnte man zu der Zeit noch kein Konto einrichten.

Diese Gedanken tauchten in meinen Gehirnwindungen auf, als ich las:

Die Commerzbank (Tagesschau) befindet sich im Umbau: Das Filialnetz soll verkleinert werden, ein massiver Stellenabbau droht. Bislang stand die Bank aber ohne Vorstandschef da. Doch der ist jetzt gefunden.

Da kann man für ihn ja nur hoffen, dass das Gehalt stimmt.

Lange, lange Zeit hatte ich dort ein Konto, bei der Commerzbank und habe viele Jahre später für die Tochter der Commerzbank gearbeitet. Die wurde liquidiert. Von 3,90€ auf 5,00€ pro Order habe ich erlebt und manche Trader tätigten 200 Orders pro Tag. Das war nicht selten und schnell war der Millionste Kunde an der Strippe. Das wurde gefeiert. – Damals wurde schon gefordert: 0,50€ pro Trade für den Staat. Bis heute nichts geschehen. Und man merke, die comdirect war ja nicht die einzige Onlinebank. In der Realität lief es ja auch anders herum, die comdirect hat Zuschüsse von Land und Staat bekommen und so weiter. Viele Geschichten gibt es darüber. Alles Schnee von gestern. Das Traden per Telefon ist heute zu langsam.

Auf jeden Fall werden die Gehälter der Entlassenen dafür benötigt, die Gier der Aktionäre zu stillen. Genau dies klappt aber nicht, die Gier ist unendlich. Warum eigentlich? „Ich frage mal den Pfarrer. Ach, der wurde auch eingespart.“

Update: Vor kurzer Zeit war zu lesen, Deutsche Bank geht an UBS, heute: Deutsche Bank Manager wird Chef der Commerzbank. Sauberer Absprung. Woll?